Der emotionale Seismograph

Manchmal finden wir uns in Situationen wieder, die uns so unvorbereitet treffen das unser gesamtes Weltbild wie durch ein Erdbeben durchgerüttelt wird.

Die seismographischen Ausschläge sind nicht immer gleich stark und manchmal spürt man nur ein kleines Beben unter der Oberfläche und dann gibt es wiederum Erschütterungen die alles über uns zusammenbrechen lassen.

Wie wir mit diesen Erdbeben umgehen, hängt meiner Meinung nach viel damit zu tun wie wir persönlich gestrickt sind und wie viele dieser grossen und kleinen Katastrophen wir bereits überstehen mussten.
Die seismographische Karte sieht für jeden ein wenig anders aus und wird unterschiedlich wahrgenommen.

Jemand der in einem Gebiet auf unserem Planeten lebt das von Naturkatastrophen verschont bleibt, wird ein kleines Beben bereits als einschneidender erleben, als jemand der öfter den Launen von Mutter Natur ausgesetzt ist.

Und Mother Nature hat einiges in petto. Sturmfluten, Überschwemmungen, Hurricanes, Hugo Egon Balder, die Kellys…

Unsere emotionale seismographische Karte kennt auch diese Katastrophen.
Eine Beziehung die zerbricht, Probleme am Arbeitsplatz, eine schwere Erkrankung. So füllt sich unsere Karte mit kleineren und grösseren Ausschlägen, mal mit breiteren Abständen dann wieder kommen viele kleine und dann das grosse Bäm das alles aus den Angeln hebt.

Manchmal entlädt sich dann alles in einem ehrlichen Ausbruch von Frustration oder wir betrinken uns in dunklen Kaschemmen, fahren auf Yoga Ressorts, kopulieren mit tibetanischen Klangschalen oder sind einfach nur zu tiefst am Boden zerstört.

Wir haben nicht auf alles einen Einfluss was uns passiert, aber wir haben einen Einfluss darauf wie wir damit umgehen.

Von Zeit zu Zeit tut es also in meinen Augen not, seinen Seismographen neu zu kalibrieren und die Eichung zu überprüfen.

Würde ich meine Karte der letzten Jahre auf Papier bringen währen da leider einige, teils heftige, Ausschläge darauf verzeichnet. Verlänger ich die Karte auf die letzten 10 Jahre wären die Ereignisse immer noch zu sehen aber auf die Zeit gerechnet nicht mehr so drastisch an ihrer Häufigkeit.

Wenn Du Deine seismographische Karte zeichnen würdest – Was würde sie Dir offenbaren?

Mit Abstand betrachtet lassen sich auch die Ausschläge relativieren, beziehungsweise anders einordnen.

Als ich mir durch einen Sportunfall das Kreuzband riss und die ersten Befunde kein schönes Bild für die nächsten Monate abzeichnete: Kreuzband vorne, hinten, oh der Meniskus könnte auch beschädigt sein… Manche Orthopäden können echte Boten der Hoffnung sein…

In diesem Moment war das für mich so, als ob der Ausschlag der Nadel über das Papier hinaus gehen würde. Tatsächlich relativierte sich dieses Beben als keine zwei Monate nach der OP meine damalige Frau mir offenbarte das sie sich scheiden lassen will.

Ich kann niemanden sagen wie er mit seinen Schicksalsschlägen umzugehen hat, oder wie sein Seismograph geeicht ist. Ich denke nur das wir gerade dann wenn der Sturm am grössten ist, innehalten sollten.

Nehmt euch den Moment zu überprüfen ob die Eichung noch stimmt und ob der Ausschlag den wir gerade empfinden tatsächlich dem Gefühlten entspricht oder sich relativieren lässt.

Nicht jede Brise ist ein Sturm – Nicht jedes vergossene Glas eine Sinnflut.

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